Dr. Dotzauer

Durchfall bei Erwachsenen: Was hilft und wann zum Arzt?

Wenn du ständig zur Toilette musst, möchtest du den Durchfall möglichst schnell loswerden. Zuerst braucht dein Körper aber das zurück, was er dabei verliert: Flüssigkeit und Salze, sogenannte Elektrolyte. Bei einem akuten Magen-Darm-Infekt steht dieser Ausgleich an erster Stelle. Dafür kann eine Trinklösung aus der Apotheke sinnvoll sein. Sie enthält Salze und Traubenzucker im passenden Verhältnis. Die deutsche Leitlinie zu Magen-Darm-Infektionen empfiehlt sie besonders bei Flüssigkeitsmangel.

Entscheidend ist, ob du trinken kannst und die Flüssigkeit bei dir behältst. Wenn das nicht gelingt oder dein Kreislauf deutlich nachlässt, brauchst du rasch medizinische Hilfe.

Wann du mit Durchfall ärztliche Hilfe brauchst

Ruf 112, wenn du schwere Kreislaufprobleme hast, ohnmächtig wirst oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Das gilt auch, wenn du eine lebensbedrohliche Situation vermutest. In Deutschland ist die 112 für mögliche Lebensgefahr zuständig.

Wenn du wiederholt erbrichst und selbst kleine Schlucke nicht bei dir behältst, lass dir rasch ärztlich helfen. Auch deutlich weniger oder sehr dunkler Urin kann auf Flüssigkeitsmangel hinweisen. Bei dringenden Beschwerden erreichst du außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Während der Sprechzeiten wende dich an deine Hausarztpraxis. Dass Trinken scheitert, ist laut Leitlinie ein Grund für eine Behandlung im Krankenhaus.

Lass außerdem rasch ärztlich abklären:

  • Blut im Stuhl oder neu aufgetretenen schwarzen Stuhl. Die Farbe allein verrät noch nicht die Ursache.
  • Hohes Fieber oder starke Bauchschmerzen.
  • Eine deutliche Verschlechterung oder Durchfall, der sich nach 48 Stunden nicht bessert.

Warte bei solchen Warnzeichen nicht erst die 48 Stunden ab. Wenn du älter bist, schwanger, immungeschwächt oder eine relevante Vorerkrankung hast, sprich früher mit deiner Praxis.

Was als Durchfall zählt

Durchfall, medizinisch Diarrhö oder Diarrhoe, bedeutet, dass dein Stuhl dünner und meist häufiger ist als für dich üblich. Ein gebräuchlicher Anhaltspunkt sind mindestens drei sehr weiche oder flüssige Stühle innerhalb von 24 Stunden. So beschreibt es die Gesundheitsinformation des IQWiG. Die Zahl hilft, das Symptom zu beschreiben. Sie entscheidet nicht darüber, ob du Hilfe brauchst.

Ein plötzlich beginnender Durchfall kann durch eine Magen-Darm-Infektion mit Viren oder Bakterien ausgelöst werden.

Wässriger Durchfall beschreibt zunächst die Konsistenz. Daraus lässt sich die Ursache nicht sicher ablesen. Auch wenn Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen fehlen, kommt es auf den Flüssigkeitsverlust und den Verlauf an.

Ein akuter Magen-Darm-Infekt ist häufig nach einigen Tagen bis etwa einer Woche überstanden. Wenn die Beschwerden bleiben oder immer wiederkommen, braucht es eine gezielte Suche nach der Ursache. Das ist eine andere Aufgabe als die Behandlung eines einzelnen akuten Infekts.

Was du bei Durchfall trinken kannst

Bei mildem Durchfall kannst du Wasser oder Tee trinken. Verlierst du viel Flüssigkeit und Salze, reicht Wasser allein zum Ausgleich der Elektrolyte nicht aus. Dafür gibt es orale Rehydrationslösungen, kurz ORS: Pulver aus der Apotheke, das du in Wasser auflöst.

Dabei ist die Wassermenge auf der Packung wichtig. Rühre das Pulver genau damit an, nicht nach Gefühl und nicht in Saft oder Milch. Mehr Pulver macht die Lösung nicht hilfreicher. Ihre Zusammensetzung soll gerade zusammenpassen.

Warum enthält sie überhaupt Zucker? In der Darmwand gibt es einen Transportweg, über den Natrium, ein Bestandteil von Salz, zusammen mit Glukose aufgenommen wird. Glukose ist Traubenzucker. Wasser folgt dieser Aufnahme. Darauf beruht die Wirkung einer Rehydrationslösung. Sie hilft, den Verlust auszugleichen, auch wenn der Durchfall noch anhält.

Eine Rehydrationslösung nutzt die gemeinsame Aufnahme von Natrium und Traubenzucker. Wasser folgt in den Körper. Im Darm Natrium + Traubenzucker Gemeinsame Aufnahme durch die Darmwand Wasser folgt vom Darm in den Körper
Salz und Traubenzucker unterstützen gemeinsam die Wasseraufnahme. Deshalb kommt es bei ORS auf das passende Verhältnis und die vorgeschriebene Wassermenge an.

Cola und reine Fruchtsäfte sind dafür kein geeigneter Ersatz. Ihr Verhältnis von Zucker und Elektrolyten passt nicht zu einer Rehydrationslösung. Sehr viel Zucker kann den Durchfall zusätzlich verstärken.

Wenn dir übel ist, probiere kleine Schlucke statt eines ganzen Glases auf einmal. Das empfiehlt auch der britische Gesundheitsdienst NHS. Wenn selbst das wiederholt scheitert, hol dir medizinische Hilfe.

Essen bei Durchfall: Was du verträgst

Wenn du Hunger hast und kein Flüssigkeitsmangel besteht, kannst du essen. Du musst dich nicht tagelang auf Tee und Zwieback beschränken. Die deutsche Leitlinie rät bei akuter Gastroenteritis ohne Dehydratation von speziellen Diäten ab. Dehydratation bedeutet, dass dem Körper Flüssigkeit fehlt.

Probiere vertraute Lebensmittel, die du gerade gut verträgst. Das können zum Beispiel Kartoffeln, Reis, Hafer oder eine Suppe sein. Bei Übelkeit können kleinere Portionen angenehmer sein als eine große Mahlzeit.

Es gibt auch keinen Grund, allein wegen eines akuten Infekts pauschal alle Milchprodukte, Eiweiß oder Ballaststoffe zu streichen. Wenn dir ein bestimmtes Essen gerade Beschwerden macht, wähle zunächst etwas anderes. Daraus folgt noch keine dauerhafte Unverträglichkeit.

Besteht bereits Flüssigkeitsmangel, hat der Ausgleich mit Flüssigkeit und Elektrolyten Vorrang. Danach kannst du deine normale Nahrung wieder aufnehmen. Eine frühe Rückkehr zum gewohnten Essen nach der Rehydration empfiehlt auch die infektiologische Leitlinie der IDSA.

Mittel gegen Durchfall: Was infrage kommt

Loperamid kann den Stuhldrang und die Häufigkeit der Toilettengänge verringern. Die deutsche Leitlinie nennt es als kurzfristige Möglichkeit für Erwachsene, wenn weder Fieber noch Blut im Stuhl vorliegen, für weniger als 48 Stunden. Beachte die Packungsbeilage und kläre mit Apotheke oder Praxis, ob es für dich geeignet ist. Bei Durchfall während oder nach einer Antibiotikabehandlung besprich das vorher mit deiner Praxis.

Auch wenn du danach seltener zur Toilette musst: Verlorene Flüssigkeit und Salze ersetzt das Mittel nicht. Und ob eine Abklärung nötig ist, hängt weiter vom Verlauf und deinen übrigen Beschwerden ab.

Die aktuelle deutsche Leitlinie rät bei einer akuten Magen-Darm-Infektion vom Einsatz von Probiotika ab. Untersuchungen bei Erwachsenen sind begrenzt. Das ist eine Aussage über diesen akuten Infekt, keine pauschale Bewertung jeder Anwendung bei anderen Darmbeschwerden.

Antibiotika sind bei einem unkomplizierten akuten Magen-Darm-Infekt normalerweise nicht nötig. Das gilt auch für viele bakterielle Verläufe. Ob eine Ausnahme vorliegt, entscheidet die behandelnde Praxis. Die Leitlinie empfiehlt einen zurückhaltenden Einsatz. Bereits verordnete Mittel solltest du deshalb nicht eigenständig absetzen, sondern die Beschwerden dort ansprechen.

Wenn Durchfall anhält oder immer wiederkommt

Wenn du über längere Zeit Durchfall hast, geht es darum, die Ursache zu finden. Von chronischem Durchfall spricht die britische Fachleitlinie für Erwachsene bei einer Dauer von mehr als vier Wochen. Das ist eine Begriffsgrenze, keine Empfehlung, so lange mit einem Arztbesuch zu warten.

Für die Abklärung sind unter anderem Lebensmittel, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel wichtig. Magnesiumpräparate und bestimmte Arzneimittel können Durchfall begünstigen. Auch größere Mengen schlecht aufgenommener Zucker, etwa Sorbit in manchen zuckerfreien Kaugummis, kommen als Auslöser infrage. Daneben können Unverträglichkeiten oder andere Darmerkrankungen hinter den Beschwerden stecken.

Der zeitliche Zusammenhang ist ein Hinweis. Wenn der Durchfall nach einer Mahlzeit oder einer Medikamenteneinnahme auftritt, ist damit die Ursache noch nicht bewiesen. Dasselbe gilt für Beschwerden in stressigen Phasen. Schreib die Beobachtung auf und besprich sie in der Praxis, statt verordnete Medikamente selbst zu verändern oder immer mehr Lebensmittel zu streichen.

Erwähne besonders, wenn dich der Durchfall nachts weckt oder du ungewollt Gewicht verlierst. Auch ein Reizdarmsyndrom kann mit Durchfall einhergehen. Durchfall allein reicht für diese Diagnose jedoch nicht aus. Welche Untersuchungen passen, ergibt sich aus den Beschwerden, ihrer Entwicklung und der ärztlichen Untersuchung.

So bereitest du das Gespräch in der Praxis vor

Ein paar Notizen helfen, damit du beim Termin nichts zusammensuchen musst:

  • Seit wann besteht der Durchfall? Wie oft musst du zur Toilette, und ist es durchgehend so oder gibt es Pausen?
  • Kannst du trinken und die Flüssigkeit bei dir behalten? Hast du weniger Urin als sonst oder Kreislaufprobleme?
  • Welche Beschwerden kommen dazu, etwa Fieber, Schmerzen, Blut im Stuhl oder nächtlicher Durchfall?
  • Welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel nimmst du? Gab es kürzlich Antibiotika, eine Reise oder eine Änderung beim Essen?

Diese Angaben gehören zur ärztlichen Abklärung von Durchfall. Nimm deine Medikamentenliste mit und beschreibe auch, was du bereits versucht hast und was danach passiert ist. So kann die Praxis gezielt entscheiden, was untersucht werden sollte.