Blutdruckwerte: Tabelle und Anleitung zum Messen
150/80 mmHg: Die beiden Zahlen allein sagen noch nicht, welche Grenze du zum Vergleich brauchst. Wurde in der Praxis gemessen? Oder ist das dein Durchschnitt aus mehreren Tagen zu Hause?
Die erste, obere Zahl heißt systolischer Blutdruck. Sie beschreibt den Druck, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht. Die zweite, untere Zahl heißt diastolischer Blutdruck. Sie beschreibt den Druck, wenn der Herzmuskel erschlafft. Die Einheit mmHg steht für Millimeter Quecksilbersäule.
Für Erwachsene nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (NVL) folgende Grenzen. Es genügt, wenn der obere oder der untere Wert die jeweilige Grenze erreicht. Beide müssen also nicht gleichzeitig erhöht sein.
| Messung | Systolisch | Diastolisch |
|---|---|---|
| Praxis, im Sitzen | ab 140 | ab 90 |
| Zu Hause, Mittel über 7 Tage | ab 135 | ab 85 |
| Langzeitmessung, Tagesmittel | ab 135 | ab 85 |
| Langzeitmessung, gesamtes 24-Stunden-Mittel | ab 130 | ab 80 |
| Langzeitmessung, Nachtmittel | ab 120 | ab 70 |
Alle Angaben in mmHg. Quelle: Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0, Tabelle 4.
Die Zeilen zur Langzeitmessung beziehen sich auf die jeweiligen Mittelwerte, nicht auf jede einzelne Messung des Geräts. Auch der Heimwert ist ein Durchschnitt aus einer Messreihe. Wie du sie durchführst, steht weiter unten.
Die Tabelle zeigt Grenzen zur Feststellung von Bluthochdruck. Persönliche Zielwerte werden gesondert vereinbart. Ein einzelner auffälliger Wert beweist noch keinen dauerhaften Bluthochdruck. Die Angaben gelten für Erwachsene; für Kinder und in der Schwangerschaft ist eine gesonderte Beurteilung nötig.
Blutdrucktabelle für die Praxis: Grad 1 bis 3
Für Blutdruckmessungen in der Praxis unterscheidet die Leitlinie drei Schweregrade. Diese Tabelle ist keine Skala für Heimwerte.
| Praxiswert | Systolisch in mmHg | Diastolisch in mmHg |
|---|---|---|
| Grad 1 | 140 bis 159 | 90 bis 99 |
| Grad 2 | 160 bis 179 | 100 bis 109 |
| Grad 3 | ab 180 | ab 110 |
Auch hier gilt: oberer oder unterer Wert. Fallen die Zahlen in unterschiedliche Grade, zählt der höhere.
Zwei Beispiele zur Anwendung der Tabelle:
- 150/80 mmHg: Die obere Zahl erreicht den Bereich von Grad 1, obwohl die untere unter 90 liegt.
- 125/95 mmHg: Hier erreicht die untere Zahl den Bereich von Grad 1. Die niedrigere obere Zahl hebt das nicht auf.
Bei bestätigtem Bluthochdruck mit einem oberen Wert ab 140 und einem unteren unter 90 spricht man von isolierter systolischer Hypertonie. „Isoliert“ beschreibt, welche Zahl erhöht ist.
Auffälliger Wert: erneut messen oder Hilfe holen?
Bei akuter Atemnot, Brustenge, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen, Krampfanfällen oder Verwirrtheit ruf 112. Warte bei solchen Warnzeichen nicht erst auf eine weitere Messung oder einen bestimmten Blutdruckwert. Diese Zeichen beschreibt auch die Patienteninformation des IQWiG.
Zeigt das Gerät einen sehr hohen Wert, etwa über 180 systolisch oder über 110 diastolisch, ohne solche akuten Begleitsymptome, setz dich ruhig hin und kontrolliere den Wert. Lass die Situation ärztlich beurteilen, statt erst eine siebentägige Messreihe abzuwarten. Nimm nicht eigenständig zusätzliche Blutdrucktabletten, um die Zahl zu drücken.
Ein einzelner, weniger stark erhöhter Wert beantwortet noch nicht, ob dauerhaft Bluthochdruck vorliegt. Dafür braucht es weitere Messungen. Erreichen die Werte wiederholt die zur Messart gehörende Grenze oder liegen sie darüber, besprich sie mit deinem Arzt. Besteht nach der Praxismessung weiter der Verdacht auf Bluthochdruck, empfiehlt die NVL eine 24-Stunden-Messung. Eine strukturierte Heimmessung kann eine Alternative sein, wenn die Langzeitmessung nicht verfügbar ist oder für dich nicht infrage kommt.
Blutdruck zu Hause richtig messen
„Miss noch einmal“ lässt einiges offen. Direkt hinterher? An welchem Arm? Und welche Zahl sollst du am Ende vergleichen?
Für die Heimmessung brauchst du ein validiertes Oberarmgerät, dessen Messgenauigkeit also geprüft wurde. Die Manschette muss zu deinem Armumfang passen. Lass dir die Anwendung zeigen. Bei der ersten Blutdruckmessung werden beide Arme verglichen. Danach wird an dem Arm mit dem höheren Wert gemessen.
Für eine Messreihe zu Hause beschreibt die NVL in Tabelle 4 bei regelmäßigem Puls dieses Vorgehen:
- Setz dich hin und ruhe vor der Messung mindestens 5 Minuten.
- Miss zweimal am Oberarm. Lass zwischen den beiden Messungen 1 bis 2 Minuten Abstand.
- Wiederhole das morgens und abends, jeweils mit zwei Messungen.
- Führe die Reihe 7 Tage lang durch und halte die Werte fest.
- Bilde anschließend den Mittelwert aller Messwerte, getrennt für die obere und die untere Zahl. Nimm also nicht nur die niedrigsten Werte und streiche nicht eigenständig den ersten Tag.
Zur Messqualität gehört auch die Manschette. In einer randomisierten Studie mit 195 Erwachsenen lieferte eine zu kleine Manschette am untersuchten automatischen Oberarmgerät höhere Werte als die passende Größe. Die Abweichung war von Person zu Person verschieden. Du kannst deshalb keinen festen Betrag von deinem Messwert abziehen, um ihn nachträglich zu korrigieren. Prüfe die passende Größe, bevor du die Messreihe beurteilst.
Wenn dich die Messung selbst belastet, besprich das mit deinem Arzt. Halte dich an die vereinbarte Messreihe.
Warum Praxis- und Heimwerte voneinander abweichen können
Eine ungewohnte oder aufregende Messsituation kann den Blutdruck beeinflussen. Aber nicht jede Abweichung geht in dieselbe Richtung:
- Sind die Werte nur bei beobachteten Messungen erhöht, kann das auf eine Weißkittelhypertonie hinweisen.
- Zeigt sich der erhöhte Blutdruck außerhalb der Praxis, während die Praxiswerte unauffällig sind, kann eine maskierte Hypertonie vorliegen.
Für die Abklärung sind beide Messreihen wichtig. Notiere, unter welchen Bedingungen die Werte entstanden sind, und nimm sie zum Arzttermin mit.
Die 24-Stunden-Messung erfasst auch den Blutdruck während der Nacht. Damit lässt sich prüfen, was eine einzelne Praxismessung nicht abbildet. Vergleiche im Ergebnisbericht den Tages-, Nacht- und Gesamtdurchschnitt jeweils mit der passenden Tabellenzeile. Aus einem Praxiswert lässt sich dein tatsächlicher Heimwert nicht durch pauschales Abziehen einer festen Zahl errechnen.
Welcher Blutdruck ist in deinem Alter das Ziel?
Das Alter allein legt deinen persönlichen Zielwert nicht fest. Die NVL sieht dafür eine gemeinsame Entscheidung mit dem Arzt vor. Dabei zählen unter anderem das Herz-Kreislauf-Risiko, mögliche Nebenwirkungen und die Belastung durch die Behandlung. Auch deine Wünsche gehören dazu.
Deshalb beantwortet eine pauschale Tabelle mit „Normalwerten nach Alter und Geschlecht“ diese Frage nicht. Die Grenze, ab der Bluthochdruck festgestellt wird, und der Wert, den du mit einer Behandlung erreichen sollst, sind verschiedene Dinge. Ein Wert unter der Grenze aus der ersten Tabelle bedeutet auch nicht automatisch, dass dein vereinbartes Ziel schon erreicht ist.
Wenn du niedrige Blutdruckwerte nachschlagen möchtest oder Beschwerden dabei hast, lies den Artikel zu niedrigem Blutdruck.
Nimm zum vereinbarten Arzttermin die vollständige Messreihe mit, zusammen mit den Mittelwerten und deinen Notizen zu den Messbedingungen. Klärt dort, ob weitere Messungen nötig sind und welcher Zielwert für dich gelten soll.
