Panikattacke: Symptome verstehen und Hilfe finden
Herzrasen und starke Angst können zu einer Panikattacke gehören. Wenn du das zum ersten Mal erlebst, ist aber noch offen, woher die Beschwerden kommen. Ein passender Absatz im Internet klärt das nicht.
Lass erste, neue oder veränderte Beschwerden ärztlich abklären. Welche Hilfe jetzt passt, hängt davon ab, wie es dir gerade geht.
Wann du sofort Hilfe brauchst
Bei starken Brustschmerzen, starker Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderer möglicher Lebensgefahr ruf in Deutschland sofort 112 an. Wenn du unsicher bist, ob Lebensgefahr besteht, wähle ebenfalls den Notruf. Warte dann nicht erst ab, ob eine Atemübung hilft.
Für dringende Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind und nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, ist außerhalb der Praxiszeiten die 116117 zuständig. Während der Sprechzeiten wende dich an deine Hausarztpraxis. Die Übersicht zu den Notfallnummern auf gesund.bund.de beschreibt diese Hilfewege.
Auch wenn du Panikattacken schon kennst: Neue oder deutlich andere Beschwerden müssen erneut ärztlich abgeklärt werden. Dass eine frühere Episode Panik war, erklärt nicht automatisch die heutige.
Was eine Panikattacke ist und welche Symptome dazugehören
Bei einer Panikattacke steigt starke Angst plötzlich an. Dazu können körperliche Beschwerden kommen, die sich bedrohlich anfühlen. Einen erkennbaren Auslöser muss es nicht geben. Eine Attacke kann auch im Schlaf auftreten.
Mögliche Symptome sind:
- starkes Herzklopfen oder Herzrasen
- Schwitzen und Zittern
- Atembeschwerden oder ein Engegefühl in der Brust
- Schwindel, Schwäche oder Kribbeln in den Händen
- starke Angst, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben
Du kannst dich in dieser Beschreibung wiederfinden und trotzdem eine andere Ursache für deine Beschwerden haben. Die Liste zeigt, was zu Panik passen kann. Sie entscheidet nicht, was bei dir gerade los ist.
Auch die Dauer ist unterschiedlich. Das National Institute of Mental Health beschreibt Attacken von wenigen Minuten bis zu einer Stunde oder länger. Nimm eine Zeitangabe deshalb nicht als Grund, bei neuen oder starken Beschwerden zunächst abzuwarten.
Eine einzelne Panikattacke bedeutet nicht automatisch eine Panikstörung. Dafür ist unter anderem wichtig, ob Attacken unerwartet wiederkehren und wie sehr die Angst vor der nächsten deinen Alltag verändert.
Wie sich Angst und Körperempfindungen verstärken können
Die Ursachen einer Panikstörung sind nicht vollständig geklärt. Stress und belastende Erfahrungen können eine Rolle spielen, ebenso eine familiäre Veranlagung. Trotzdem lässt sich eine einzelne Attacke nicht einfach mit „zu viel Stress“ erklären.
Ein möglicher Mechanismus ist ein Angstkreislauf: Du nimmst eine Körperempfindung wahr, deutest sie als bedrohlich und bekommst dadurch mehr Angst. Die Angst kann wiederum die körperlichen Empfindungen verstärken.
Ein gedachtes Beispiel: Du spürst ein Zittern. Der Gedanke „Gleich verliere ich die Kontrolle“ macht dir Angst. Das Zittern nimmt zu und scheint deinen ersten Gedanken zu bestätigen. So kann sich die Angst hochschaukeln. Die Grafik zeigt diesen möglichen Kreislauf.
Der Kreislauf hilft zu verstehen, warum in einer Psychotherapie auch Gedanken und Reaktionen auf Körperempfindungen betrachtet werden.
Was du bei einer bekannten Panikattacke versuchen kannst
Die folgenden Möglichkeiten sind für Attacken gedacht, die medizinisch abgeklärt sind und deren Beschwerden du bereits kennst. Sorge zuerst für eine sichere Umgebung. Bist du gerade im Straßenverkehr oder in einer anderen konkreten Gefahr, hat deine Sicherheit Vorrang vor einer Übung.
Du kannst versuchen, ruhig und langsam weiterzuatmen. Wähle entspannte Atemzüge, die sich für dich angenehm anfühlen. Dafür brauchst du keinen festen Zählrhythmus. Wenn dich die Konzentration auf die Atmung zusätzlich belastet, lass die Übung weg.
Du kannst deine Aufmerksamkeit auch auf die Umgebung richten. Schau dich um und benenne für dich Dinge, die du siehst. Spüre, wo deine Füße den Boden berühren. Solche Möglichkeiten zur Atmung und Orientierung beschreibt auch das Universitätsklinikum Freiburg.
Besprich bei wiederkehrenden Attacken, was dir in diesen Momenten hilft und was dich zusätzlich belastet. Daraus könnt ihr gemeinsam einen Plan für die nächste Episode machen.
Wenn die Angst vor der nächsten Attacke deinen Alltag verändert
Auch nach einer abgeklungenen Attacke kann die Sorge vor der nächsten bleiben. Dann dreht sich der Alltag womöglich darum, wo etwas passieren könnte und wie du schnell wieder wegkommst. Vielleicht sagst du Verabredungen ab oder lässt Aktivitäten aus, die du eigentlich machen möchtest.
Wenn Attacken wiederkehren, dich die Erwartungsangst beschäftigt oder du deinen Alltag deshalb einschränkst, such dir fachliche Hilfe. Du musst dafür weder eine bestimmte Zahl von Attacken erreichen noch einen Monat abwarten. Eine Hausarztpraxis kann körperliche Fragen prüfen und die weitere Hilfe mit dir besprechen. Bei wiederkehrender Panik gehört auch psychotherapeutische Hilfe dazu.
Eine belegte Möglichkeit ist die kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT. Sie wird unter anderem in der Leitlinie des britischen National Institute for Health and Care Excellence für Panikstörungen empfohlen. Dabei schaust du mit einer dafür ausgebildeten Fachperson darauf, wie Gedanken, Körperreaktionen und Verhalten zusammenhängen.
Zur KVT kann auch Exposition gehören. Das bedeutet, gefürchteten Situationen oder Körperempfindungen unter fachlicher Begleitung zu begegnen. Was dafür geeignet ist und wie ihr vorgeht, wird gemeinsam geplant. Ziel ist unter anderem, Aktivitäten wieder aufnehmen zu können, die du aus Angst vermeidest.
Wenn du aus Angst vor einer Attacke immer mehr Situationen ausschließt, wird dein Alltag kleiner. Diese Einschränkung ist ein Thema für die Therapie. Eine konkrete Gefahr, etwa im Straßenverkehr, zu verlassen, bleibt sinnvoll.
So bereitest du das Gespräch vor
Du musst vor dem Termin nicht selbst herausfinden, ob du eine Panikstörung hast. Schreib lieber kurz auf, was du beobachtet hast:
- Wann haben die Beschwerden angefangen und wie haben sie sich angefühlt?
- Wie lange hielten sie an und sind sie wiedergekommen?
- Was vermeidest du inzwischen oder machst du nur noch mit großer Angst?
- Welche Untersuchungen gab es bereits und welche Befunde liegen vor?
Ein paar Stichpunkte reichen. Bring vorhandene Befunde mit und sage auch, wenn die Angst zwischen den Attacken deinen Alltag belastet. So kann im Gespräch geklärt werden, welche körperlichen Fragen noch offen sind und welche Hilfe zu dir passt.
Weitere Texte zu Motivation und Selbstmitgefühl findest du in der Psychologieübersicht. Für das Gespräch über wiederkehrende Panik kannst du direkt fragen: „Was ist für den nächsten Anfall sinnvoll, und wie bekomme ich Hilfe, damit ich im Alltag wieder mehr machen kann?“
