Kohlsuppendiät: was in sieben Tagen davon übrig bleibt

Der Topf steht am Sonntagabend auf dem Herd. Kohl, Zwiebeln, Tomaten, Paprika, ein Liter Brühe. Sieben Tage lang soll das jetzt reichen, und am Sonntag drauf sollen fünf Kilo weg sein.

Dann die ehrliche Antwort vorweg: Nach sieben Tagen zeigt die Waage bei vielen grob 2 bis 4 kg weniger. Rechnet man die Kalorienlücke der Woche um, entspricht das etwa 1 kg Fett. Der Rest ist etwas anderes.

Das ist kein Scheitern deinerseits. Es steckt in der Rechnung dieser Diät von Anfang an drin.

Was steckt hinter der Kohlsuppendiät?

Das Prinzip ist simpel. Im Mittelpunkt steht eine große Gemüsesuppe mit Weißkohl als Hauptzutat, davon darf reichlich gegessen werden. Jeder Tag gibt zusätzlich eine Lebensmittelgruppe frei. Nach sieben Tagen ist Schluss.

Beworben wird sie oft als „magische Kohlsuppe“ mit der Behauptung, Kohl verbrenne beim Verdauen mehr Energie als er liefert. Dafür gibt es keinen Beleg. Was tatsächlich passiert: Eine große Schüssel Kohlsuppe hat kaum Kalorien und macht durch die Ballaststoffe trotzdem satt. Der Effekt kommt aus der Kalorienlücke, nicht aus dem Kohl.

Wie die Woche aufgebaut ist

Die folgende Beschreibung ordnet den kursierenden Plan grob in drei Abschnitte. Sie ist eine Beschreibung der Methode und ausdrücklich keine Anleitung zum Nachmachen.

Abschnitt der WocheWorum es dabei gehtWas dabei knapp ist
erste TageSuppe plus Obst und GemüseEiweiß und Fett fehlen fast vollständig
Mitte der WocheSuppe plus Milchprodukte und Obsterstmals etwas Eiweiß, weiter kaum Fett
letzte TageSuppe plus magere Eiweißquellen, am Ende eine GetreidebeilageBallaststoffe reichlich, Eiweiß insgesamt weiter knapp

Insgesamt liegt der Plan in der Größenordnung von 800 bis 1.000 kcal am Tag. Ein durchschnittlicher Tagesverbrauch liegt bei etwa 2.000 bis 2.400 kcal. Über sieben Tage summiert sich die Lücke damit auf grob 8.000 kcal.

Rechnet man mit dem üblichen Wert von 7.700 kcal pro Kilo Körperfett, entspricht das etwa 1 kg Fett. Das ist ein Rechenmodell, kein Messwert. Es unterstellt, dass die eingesparte Energie ausschließlich aus Fettgewebe kommt. Tatsächlich liefern auch Glykogen und Eiweiß Energie, und der Verbrauch sinkt im Defizit etwas ab.

Wie viel davon ist Wasser?

Dein Körper speichert Kohlenhydrate als Glykogen in Muskeln und Leber. Dieses Glykogen liegt dort nicht trocken, sondern mit drei bis vier Teilen Wasser pro Teil Glykogen.1

Die Kohlenhydratzufuhr kann in dieser Woche je nach Variante deutlich sinken, vor allem an den Tagen, an denen fast nur Suppe und Gemüse vorgesehen sind. Sinkt sie, leert sich ein Teil des Glykogenspeichers, und das gebundene Wasser geht mit. Das erklärt, warum die Waage in den ersten Tagen schneller fällt, als es der reine Fettverlust hergibt.

Wie genau sich die 2 bis 4 kg auf der Waage aufteilen, lässt sich ohne Messung nicht sagen. Sicher ist nur die Richtung: Der rechnerische Fettanteil liegt bei etwa 1 kg, der übrige Teil ist Wasser und Glykogen sowie der Rest der fettfreien Masse, zu der auch Muskeleiweiß gehört.

Das ist auch der Grund, warum Vorher-nachher-Bilder wenig taugen. Ein flacherer Bauch am Tag 7 lässt sich nicht in Kilo Fett umrechnen. Fotos zeigen eine Mischung aus Wasser, Darminhalt, Licht und Haltung.

Warum das Gewicht zurückkommt

Am Montag darauf gibt es wieder ein Brötchen. Damit füllen sich die Glykogenspeicher, und ein Teil des Wassers kehrt zurück. Bei vielen zeigt die Waage schon nach wenigen Tagen wieder deutlich mehr an. Für einige fühlt sich das an, als wäre die ganze Woche umsonst gewesen.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, der länger nachwirkt. An mehreren Tagen liefert der Plan sehr wenig Eiweiß, an den reinen Obst- und Gemüsetagen praktisch keines. Dein Körper braucht aber täglich Aminosäuren für Muskeln, Enzyme und Immunsystem.

Wie stark das durchschlägt, zeigen zwei Auswertungen. Bei sehr kalorienarmen Diäten waren im Mittel etwa 23 Prozent des verlorenen Gewichts fettfreie Masse, bei moderateren Diäten nur etwa 14 Prozent.2 Untersucht wurden dort allgemeine Diätprogramme, keine Kohlsuppendiät. Und in randomisierten Studien blieb unter energiereduzierter Kost mit hohem Eiweißanteil im Schnitt 0,43 kg mehr fettfreie Masse erhalten als unter Standard-Protein (95-Prozent-Bereich 0,09 bis 0,78 kg).3

Übertragen heißt das: Je weniger Eiweiß eine Diät liefert, desto ungünstiger fällt das Verhältnis tendenziell aus. Weniger fettfreie Masse bedeutet auch etwas weniger Verbrauch. Wie dieser Kreislauf im Detail läuft und wie man ihn durchbricht, steht im Artikel zum Jojo-Effekt.

Für wen die Kohlsuppendiät nichts ist

Bei diesen Punkten ist eine so einseitige Woche keine gute Idee, oder sie gehört vorher ärztlich abgeklärt:

  • Diabetes, besonders mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten
  • Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Einnahme von entwässernden oder blutdrucksenkenden Medikamenten
  • Reizdarm oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Kohl ist hier oft schlecht verträglich
  • Essstörungen in der Vorgeschichte
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Untergewicht, hohes Alter mit wenig Muskelmasse, Jugendliche im Wachstum

Auch ohne diese Punkte berichten viele von Blähungen, Kopfschmerzen, Frieren und schlechter Konzentration. Woran das im Einzelfall liegt, lässt sich nicht sauber trennen. Infrage kommen die niedrige Kalorienzahl, die einseitige Auswahl, zu wenig Flüssigkeit und der Salzhaushalt.

Woran es tatsächlich hängt

Die Kohlsuppe selbst ist nicht das Problem. Sie ist sättigend, ballaststoffreich und kalorienarm. Als komplette Ernährung für eine Woche bleiben aber mehrere Lücken gleichzeitig offen: die sehr niedrige Energiezufuhr, das fehlende Eiweiß, fehlende Fette und Vitamine, die Verträglichkeit und der fehlende Übergang zurück ins normale Essen.

Am Eiweiß setzt das proteinsparende modifizierte Fasten (PSMF) an. Die Kalorien liegen dort ähnlich niedrig, die Eiweißmenge wird aber an der Magermasse ausgerichtet, und es gibt Regeln für Elektrolyte, Dauer und Ausstieg. Die Muskeln werden damit weitgehend geschützt, nicht vollständig. Es bleibt eine sehr kalorienarme Diät mit eigenen Ausschlussgründen. Wie sich die Kohlsuppe zu Thonon, Eier-Diät und Saftkur verhält, steht in der Übersicht zu den Crash-Diäten.

Wenn dich vor allem interessiert, wie groß deine Kalorienlücke bei normalem Essen wäre, rechnet das der Kalorienrechner aus. Warum Eiweiß beim Abnehmen eine so große Rolle spielt, steht im eigenen Artikel dazu.

Fazit

Sieben Tage Kohlsuppe erzeugen eine Kalorienlücke, die rechnerisch etwa einem Kilo Fett entspricht. Was darüber hinaus auf der Waage verschwindet, ist größtenteils Wasser, und ein Teil davon kehrt erfahrungsgemäß zurück, sobald wieder normal gegessen wird.

Die Suppe ist kein schlechtes Essen. Als Ernährung für eine ganze Woche fehlt ihr das Eiweiß, und dem Plan fehlt alles, was nach Tag 7 kommt.

Quellen

  1. Kreitzman, S N; Coxon, A Y; Szaz, K F (1992): „Glycogen storage: illusions of easy weight loss, excessive weight regain, and distortions in estimates of body composition“. American Journal of Clinical Nutrition 56(1 Suppl), 292S bis 293S. PMID 1615908. Link

  2. Chaston, T B; Dixon, J B; O’Brien, P E (2007): „Changes in fat-free mass during significant weight loss: a systematic review“. International Journal of Obesity 31(5), 743 bis 750. PMID 17075583. Link

  3. Wycherley, T P; Moran, L J; Clifton, P M; Noakes, M; Brinkworth, G D (2012): „Effects of energy-restricted high-protein, low-fat compared with standard-protein, low-fat diets: a meta-analysis of randomized controlled trials“. American Journal of Clinical Nutrition 96(6), 1281 bis 1298. doi:10.3945/ajcn.112.044321. PMID 23097268. Link

Häufige Fragen

Wie viel nimmt man mit der Kohlsuppendiät in einer Woche ab?

Auf der Waage sind es bei vielen grob 2 bis 4 kg. Rechnet man die Kalorienlücke der Woche um, entspricht das etwa 1 kg Fett. Das ist ein Modellwert, kein Messwert. Der große Rest ist Wasser, das an den Kohlenhydratspeichern hing, plus ein Anteil der übrigen fettfreien Masse. Beworben wird die Diät oft mit bis zu 5 kg pro Woche, dieser Wert meint die reine Zahl auf der Waage.

Wie ist die Kohlsuppendiät aufgebaut?

Sieben Tage lang steht eine Gemüsesuppe mit Kohl im Mittelpunkt. Jeder Tag gibt zusätzlich eine Lebensmittelgruppe frei, in der ersten Wochenhälfte vor allem Obst und Gemüse, später Milchprodukte und magere Eiweißquellen, am Ende eine Getreidebeilage. Insgesamt liegt der Plan in der Größenordnung von 800 bis 1.000 kcal pro Tag. Das ist die Beschreibung einer kursierenden Methode, keine Anleitung.

Verbrennt Kohl wirklich Fett?

Nein. Die Idee, Kohl koste beim Verdauen mehr Energie als er liefert, ist nicht belegt. Kohlsuppe hat einfach sehr wenige Kalorien pro Portion und viele Ballaststoffe. Der Gewichtsverlust kommt aus der Kalorienlücke, nicht aus einer besonderen Eigenschaft des Kohls.

Warum kommt das Gewicht nach der Kohlsuppendiät zurück?

Weil ein großer Teil der verlorenen Kilos kein Fett war. Sobald wieder mehr Kohlenhydrate auf den Teller kommen, füllen sich die Glykogenspeicher, und ein Teil des gebundenen Wassers kehrt zurück. Dazu kommt, dass mit der fettfreien Masse auch der Kalorienverbrauch etwas sinkt und der Plan keinen Übergang ins normale Essen vorsieht.

Was sagen Kohlsuppendiät-Erfahrungen vorher nachher aus?

Wenig. Fotos nach sieben Tagen lassen sich nicht in Fett umrechnen. Sie zeigen eine Mischung aus weniger eingelagertem Wasser, weniger Darminhalt, Lichtverhältnissen und Haltung. Wer den Verlauf ernsthaft verfolgen will, nutzt Maßband und eine Körperfett-Schätzung über mehrere Wochen.

Ist die Kohlsuppendiät gesund?

Für gesunde Menschen ist eine Woche selten sofort riskant, aber der Plan hat Lücken. Es fehlt Eiweiß, es fehlen Fette und mehrere Vitamine. Viele berichten von Blähungen, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen, die Ursachen dafür sind im Einzelfall nicht sauber zu trennen. Bei Diabetes mit Medikamenten, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Essstörungen in der Vorgeschichte gehört so etwas vorher ärztlich abgeklärt.