Wie gefährlich sind Crash-Diäten? (Thonon, Kohlsuppe und Co. im Check)

In drei Wochen ist die Hochzeit. Die Hose vom letzten Sommer geht nicht mehr zu. Und im Netz steht: 10 Kilo in 14 Tagen.

Der Reiz ist völlig verständlich. Deshalb hier die ehrliche Antwort, bevor du startest.

Crash-Diäten sind fast alle nach demselben Muster gebaut: sehr wenige Kalorien, sehr wenig Auswahl, oft kein Plan für die Zeit danach. Sofort gefährlich sind sie für gesunde Menschen selten. Teuer werden sie später. Die Waage zeigt in der ersten Woche vor allem Wasser, ein erheblicher Teil des Verlusts ist fettfreie Masse (also Wasser, Glykogen und auch Muskel), und im Durchschnitt kommt danach ein großer Teil des Gewichts zurück.

Ein Merkmal unterscheidet die Varianten deutlich voneinander. Dazu weiter unten mehr.

Was zählt überhaupt als Crash-Diät?

Eine feste Definition gibt es nicht. In der Praxis meint der Begriff Diäten mit diesen vier Merkmalen:

  • häufig um oder unter 1.200 kcal pro Tag
  • sehr kurze Dauer, meist 3 Tage bis 4 Wochen
  • sehr wenige erlaubte Lebensmittel
  • ein festes Regelwerk, oft Tag für Tag vorgeschrieben

Blitzdiät, Turbodiät und schnelle Diät sind nur andere Namen dafür. Das Prinzip ist immer dasselbe.

Die bekanntesten Crash-Diäten im Überblick

Die Tabelle beschreibt, in welcher Größenordnung diese Methoden im Umlauf sind. Die Kalorienzahlen sind eine Beschreibung dessen, was über die jeweilige Diät berichtet wird. Sie sind weder eine Anleitung noch eine Empfehlung für dich.

DiätWie sie beschrieben wirdKalorien pro Tag (Größenordnung)Häufig genannte Schwachstelle
Thonon-Diätzwei Wochen sehr eiweißlastig, danach eine längere Stabilisierungsphase600 bis 800sehr wenig Nährstoffe, unrealistisches Versprechen
Kohlsuppendiäteine Woche rund um eine Gemüsesuppe, täglich wechselnde Zusatzgruppe800 bis 1.000sehr wenig Eiweiß
Eier-Diätzwei Wochen eiweißreich mit Eiern als Basis, kaum Kohlenhydrate1.000 bis 1.200einseitig, wenig Ballaststoffe, kein Übergang danach
Max-Planck-Diät14 Tage fester Plan mit Eiern, Fleisch, Fischetwa 800Max-Planck-Gesellschaft distanziert sich ausdrücklich
Militär-Diätdrei strenge Tage, dann vier lockerere, wiederholt1.100 bis 1.400 an den strengen Tagensehr kurz, entsprechend klein ist der Effekt
Ananas-, Reis- und andere Mono-Diätentagelang fast nur ein Lebensmittel700 bis 1.200größte Nährstofflücken aller Varianten
Saftkuren und Saftfastendrei bis sieben Tage nur Säfte, Brühe, Tee500 bis 1.000praktisch kein Eiweiß, viel Zucker aus Saft
hCG-Diätsehr strenger Kalorienplan plus hCG-Präparatetwa 500extrem niedrige Kalorienzahl
Stoffwechselkuren und Formula-ProgrammePulver ersetzt Mahlzeiten, oft mit Zusatzprodukten500 bis 900Qualität und Eiweißgehalt schwanken stark

Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegen fast alle unter dem, was der Körper an Vitaminen und Mineralstoffen braucht. Zweitens unterscheiden sie sich vor allem in einem Punkt: wie viel Eiweiß drin ist. Warum das wichtig ist, steht weiter unten.

Thonon-Diät: 10 Kilo in 14 Tagen?

Die Thonon-Diät ist eine der bekanntesten Crash-Diäten im deutschsprachigen Raum. Sie verspricht bis zu 10 Kilo in zwei Wochen.

Beschrieben wird sie in zwei Phasen. Die erste dauert 14 Tage und liegt in der Größenordnung von 600 bis 800 kcal am Tag, mit magerem Eiweiß im Mittelpunkt und fast ohne Kohlenhydrate. Danach folgt eine deutlich längere Stabilisierungsphase mit mehr Kalorien.

Woher kommt der Name?

Fast überall steht dieselbe Geschichte: Ein Krankenhaus im französischen Kurort Thonon-les-Bains am Genfer See habe die Diät entwickelt, damit stark übergewichtige Patienten schnell operabel werden.

Belegt ist das nicht. Eine Bestätigung der Klinik ist nicht auffindbar, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu genau diesem Plan ebenfalls nicht. Andere Quellen nennen stattdessen einen einzelnen Autor als Urheber. Es bleibt eine gute Geschichte ohne Datenlage. Das gleiche Muster kennst du von der Max-Planck-Diät, nur ist es dort amtlich widerlegt: Ein „Max-Planck-Institut für Ernährung” hat es nie gegeben. Die Max-Planck-Gesellschaft stellte schon 2001 klar, dass weder sie noch eines ihrer Institute etwas mit dem Plan zu tun haben. Den Urheber konnte sie nicht ermitteln, eine medizinisch-wissenschaftliche Herleitung sei nicht erkennbar, und vermutlich wurde der Plan vor Jahrzehnten als Aprilscherz in Umlauf gebracht. Seitdem wandert er von Briefkasten zu Briefkasten, heute von Feed zu Feed. Die Bitte der Gesellschaft an die Öffentlichkeit: „Hände weg von diesem Plan!”1

Was rechnerisch dabei herauskommt

Ein Rechenbeispiel, kein Plan: Wer im Alltag grob 2.200 kcal am Tag verbraucht und nach so einem Schema isst, hat eine Lücke von etwa 1.500 kcal pro Tag. Über 14 Tage sind das rund 21.000 kcal. Rechnet man mit dem üblichen Wert von 7.700 kcal pro Kilo Körperfett, entspricht das grob 2,5 bis 3 kg Fett.

Das ist ein Rechenmodell, kein Messwert. Es unterstellt, dass die Energie ausschließlich aus Fettgewebe kommt. Tatsächlich liefern auch Glykogen und Eiweiß Energie, und der Verbrauch sinkt im Defizit. Dazu kommt in der ersten Woche Wasser, das der Körper mit den Kohlenhydratspeichern abgibt.

Zusammen mit dem Wasser aus der ersten Woche landet die Waage in diesem Modell bei grob 4 bis 6 kg. Die versprochenen 10 kg sind auf diesem Weg nicht plausibel.

Ein Merkmal unterscheidet diese Variante trotzdem von Kohlsuppe und Saftkur: Sie ist sehr eiweißlastig. Was ihr fehlt, sind Vorgaben für Vitamine, Mineralstoffe und den Salzhaushalt sowie ein geregelter Übergang zurück ins normale Essen.

Warum die Waage in der ersten Woche schwindelt

Dein Körper speichert Kohlenhydrate als Glykogen in Muskeln und Leber. Dieses Glykogen ist im Körper mit Wasser beladen, drei bis vier Teile Wasser pro Teil Glykogen.2

Sobald die Kohlenhydrate im Essen stark zurückgehen, leert sich dieser Speicher, und ein Teil des gebundenen Wassers geht mit. Deshalb fällt die Waage in den ersten Tagen jeder sehr kalorienarmen Diät schneller, als es der reine Fettverlust erklären könnte.

Das fühlt sich großartig an. Es ist aber geliehen. Sobald wieder mehr Kohlenhydrate auf den Teller kommen, füllt sich der Speicher, und ein Teil des Wassers kehrt zurück. Viele halten den Sprung nach oben für ihr eigenes Versagen. Er hat mit Disziplin nichts zu tun.

Warum bei Crash-Diäten auch Muskulatur draufgeht

Hier liegt der eigentliche Schaden. Wenn du abnimmst, verlierst du neben Fett immer auch fettfreie Masse. Dazu zählen Wasser, Glykogen und eben auch Muskeleiweiß. Entscheidend ist das Verhältnis.

Eine systematische Übersicht hat das ausgewertet: Bei moderat kalorienreduzierten Diäten waren im Mittel etwa 14 Prozent des verlorenen Gewichts fettfreie Masse. Bei sehr kalorienarmen Diäten waren es etwa 23 Prozent, also fast ein Viertel.3 Je größer die Kalorienlücke, desto größer dieser Anteil. Die Übersicht hat allgemeine Diätprogramme untersucht, keine der hier genannten Modediäten.

Dass dabei die Eiweißmenge zählt, zeigt eine Meta-Analyse aus randomisierten Studien: Unter energiereduzierter Kost mit hohem Proteinanteil blieb im Schnitt 0,43 kg mehr fettfreie Masse erhalten als unter Standard-Protein (95-Prozent-Bereich 0,09 bis 0,78 kg).4 Der Unterschied ist real, aber überschaubar. Eiweiß bremst den Verlust, es verhindert ihn nicht.

Drei Baufehler sind bei fast allen Crash-Diäten dieselben:

  1. Wenig Eiweiß. Kohlsuppe, Saftkur und Mono-Diäten liefern kaum Protein. Genau daran hängt aber, wie viel fettfreie Masse erhalten bleibt.
  2. Wenig Nährstoffe. Bei 600 bis 900 kcal aus wenigen Lebensmitteln fehlen Vitamine, Mineralstoffe und oft auch Elektrolyte (Salze wie Natrium, Kalium und Magnesium). Müdigkeit, Kopfschmerzen, Frieren und Wadenkrämpfe können damit zusammenhängen, es kommen aber auch andere Ursachen infrage.
  3. Kein Übergang. Der Plan endet an Tag 7 oder Tag 14. Was am Tag 15 passiert, steht nirgends.

Weniger fettfreie Masse bedeutet tendenziell auch weniger Grundumsatz. Das ist einer der Gründe, warum sich die zweite Diät oft zäher anfühlt als die erste.

Und dann kommt der Jojo-Effekt

Eine Meta-Analyse zu Programmen mit sehr niedriger Kalorienzahl hat nachgeschaut, was nach vier bis fünf Jahren übrig war: im Schnitt etwa 7 kg, also grob 29 Prozent des ursprünglich verlorenen Gewichts. Bei den ausgewogenen, weniger strengen Diäten waren es nur rund 2 kg.5

Zwei Lesarten stecken darin, und beide sind wichtig.

Der überwiegende Teil des Gewichts kommt zurück, egal wie streng die Diät war. Aber Tempo allein erklärt den Unterschied nicht. Die strengen Programme in dieser Auswertung waren ärztlich begleitet, ein Teil hatte eine geregelte Rückkehr zum normalen Essen. Was genau davon den Unterschied gemacht hat, kann die Auswertung nicht trennen. Was dabei hilft, steht im Artikel zum Jojo-Effekt und in der Anleitung für normales Essen nach der Diät.

Für wen Crash-Diäten nichts sind

Bei diesen Punkten sind sehr kalorienarme Diäten keine gute Idee, oder sie gehören vorher ärztlich abgeklärt:

  • Diabetes, besonders mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten
  • Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Einnahme von entwässernden oder blutdrucksenkenden Medikamenten
  • Essstörungen in der Vorgeschichte, auch wenn sie lange her sind
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Untergewicht oder ohnehin niedriger Körperfettanteil
  • Jugendliche im Wachstum

Warnsignale wie Herzstolpern, Schwindel beim Aufstehen, starke Wadenkrämpfe oder anhaltende Übelkeit sind ein Grund, abzubrechen und das ärztlich abklären zu lassen. Die Liste ist nicht vollständig.

Woran sich die Varianten unterscheiden

Wenn dich der Vergleich oben eines lehrt, dann das: Der Unterschied zwischen den Methoden liegt weniger an der Suppe, der Ananas oder dem Ei. Er liegt an der Eiweißmenge und daran, ob es einen geregelten Übergang gibt.

Auf diesem Gedanken baut das proteinsparende modifizierte Fasten auf, kurz PSMF. Die Kalorien sind ähnlich niedrig wie bei den anderen, die Eiweißmenge wird aber an der Magermasse ausgerichtet, und es gibt Regeln für Elektrolyte, Dauer und Ausstieg. „Proteinsparend“ heißt: Die Muskeln werden weitgehend geschützt, nicht vollständig.

Es bleibt eine sehr kalorienarme Diät mit denselben Ausschlussgründen wie oben. Wer sich damit näher befassen will, findet die Vorgaben ausformuliert im Abnehmsprint-Handbuch.

Und falls du erst einmal wissen willst, wie groß deine Kalorienlücke bei normalem Essen überhaupt wäre: Der Kalorienrechner sagt es dir in zwei Minuten. Wie lange dein Ziel realistisch dauert, steht unter Abnehmdauer.

Fazit

Crash-Diäten senken das Gewicht kurzfristig, weil jede große Kalorienlücke Gewicht kostet. Was du dafür bezahlst, hängt stark am Eiweißgehalt und daran, ob es einen Plan für danach gibt.

Kohlsuppe, Saftkur und Mono-Diäten liefern beides nicht. Die Thonon-Diät liefert wenigstens das Eiweiß. Und wenn es schnell gehen soll, ist die bessere Frage nicht „welche Diät ist die härteste“, sondern „welche schont meine Muskulatur und hat ein geregeltes Ende“.

Quellen

  1. Max-Planck-Gesellschaft, Pressemitteilung „Diätplan: Max-Planck-Gesellschaft distanziert sich“ vom 17.12.2001. Link

  2. Kreitzman, S N; Coxon, A Y; Szaz, K F (1992): „Glycogen storage: illusions of easy weight loss, excessive weight regain, and distortions in estimates of body composition“. American Journal of Clinical Nutrition 56(1 Suppl), 292S bis 293S. PMID 1615908. Link

  3. Chaston, T B; Dixon, J B; O’Brien, P E (2007): „Changes in fat-free mass during significant weight loss: a systematic review“. International Journal of Obesity 31(5), 743 bis 750. doi:10.1038/sj.ijo.0803483. PMID 17075583. Link

  4. Wycherley, T P; Moran, L J; Clifton, P M; Noakes, M; Brinkworth, G D (2012): „Effects of energy-restricted high-protein, low-fat compared with standard-protein, low-fat diets: a meta-analysis of randomized controlled trials“. American Journal of Clinical Nutrition 96(6), 1281 bis 1298. doi:10.3945/ajcn.112.044321. PMID 23097268. Link

  5. Anderson, J W; Konz, E C; Frederich, R C; Wood, C L (2001): „Long-term weight-loss maintenance: a meta-analysis of US studies“. American Journal of Clinical Nutrition 74(5), 579 bis 584. doi:10.1093/ajcn/74.5.579. PMID 11684524. Link

Häufige Fragen

Was ist eine Crash-Diät?

Eine Crash-Diät ist eine sehr kalorienarme Diät über wenige Tage bis wenige Wochen, meist unter 1.200 kcal pro Tag, mit sehr eingeschränkter Lebensmittelauswahl. Bekannte Beispiele sind die Thonon-Diät, die Kohlsuppendiät, die Eier-Diät, Saftkuren und die Militär-Diät. Blitzdiät und Turbodiät sind andere Namen für dasselbe Prinzip.

Wie funktioniert die Thonon-Diät?

Die Thonon-Diät läuft in zwei Phasen. Die erste dauert 14 Tage und liegt der Beschreibung nach in der Größenordnung von 600 bis 800 kcal pro Tag, fast ohne Kohlenhydrate und mit magerem Eiweiß im Mittelpunkt. Danach folgt eine längere Stabilisierungsphase mit mehr Kalorien. Beworben wird sie mit bis zu 10 kg in zwei Wochen. Rechnerisch ist dieser Wert nicht zu erreichen.

Kommt die Thonon-Diät wirklich aus einer Klinik?

Die Geschichte, ein Krankenhaus im französischen Kurort Thonon-les-Bains habe die Diät entwickelt, steht auf fast jeder Seite dazu. Belegt ist sie nicht. Eine offizielle Bestätigung durch die Klinik ist nicht auffindbar, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu genau diesem Plan ebenfalls nicht. Manche Quellen nennen stattdessen einen einzelnen Autor. Es bleibt eine Geschichte ohne Beleg.

Wie viel nimmt man mit einer Crash-Diät wirklich ab?

In der ersten Woche zeigt die Waage rechnerisch plausibel 2 bis 4 kg weniger, gemessene Studienwerte zu diesen Diäten gibt es nicht. Ein großer Teil davon ist Wasser, das an den Kohlenhydratspeicher gebunden war. Das rechnerische Fettäquivalent liegt grob bei 0,7 bis 1,5 kg pro Woche, je nach Ausgangsgewicht und Kaloriendefizit. Alles Modellwerte, keine Messwerte.

Sind Crash-Diäten gefährlich?

Für gesunde Menschen ist eine kurze Phase mit wenig Kalorien selten sofort gefährlich. Problematisch werden fehlendes Eiweiß, fehlende Vitamine und Mineralstoffe, ein gestörter Salzhaushalt und sehr lange Dauer. Riskant sind Crash-Diäten bei Diabetes mit Medikamenten, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Essstörungen in der Vorgeschichte. In diesen Fällen gehört das vorher ärztlich abgeklärt.

Welche Crash-Diät ist die beste?

Wenn überhaupt eine, dann die mit dem meisten Eiweiß und den wenigsten Lücken bei Vitaminen und Mineralstoffen. Nach diesem Maßstab schneiden Mono-Diäten und Saftkuren am schlechtesten ab. Beim proteinsparenden modifizierten Fasten (PSMF) ist die Eiweißmenge dagegen festgelegt, damit werden die Muskeln weitgehend geschützt.

Warum kommt das Gewicht nach einer Blitzdiät zurück?

Drei Gründe. Das Wasser aus der ersten Woche kommt zurück, sobald du wieder Kohlenhydrate isst. Verlorene fettfreie Masse senkt den Kalorienverbrauch. Und die meisten Pläne enden abrupt, ohne dass du unterwegs etwas gelernt hättest, was du danach beibehalten könntest.