“Meine Mutter wiegt zu viel”: Anderen Menschen ändern, retten oder beim Abnehmen helfen

Dein Vater / deine Mutter / deine Freundin / dein(e) Partner(in) sind zu dick. Sie bringen sich langsam mit ihrem Essverhalten selber um.

Oft hörst du die gleichen Beschwerden. Früher war man schlank. Jetzt sei das nicht mehr so wichtig. Vielleicht wird auch geweint oder richtig gestritten.

Alles wird abgeblockt. Du denkst dir, dass da einfach nur ein bisschen was verstanden werden müsste über Ernährung. Aber das will die Person offensichtlich leider nicht. Niemals würden Kalorien gezählt werden oder sich mal grundsätzlich informiert werden.

Was kannst du tun? Druck machen und Logisch argumentieren bringt hier nichts.

Wurde genau das gerade gefragt von einer Leserin, die ihrer Mutter mein Buch schenken wollte – in der Hoffnung, dass das der Anstoß sein könnte endlich etwas zu ändern.

Ich hatte ihr vom Kauf abgeraten.

Sie schrieb: “Ich möchte meiner Mutter das Buch schenken. Sie wiegt viel zu viel und leidet darunter. Wenn Sie sich darauf ein einlässt, kann es der Schlüssel sein.”

Jetzt könnte das so ablaufen:

Die Mutter packt das Buch aus.

Jetzt wird sie sich entweder höflich bedanken, versprechen es zu lesen und es erst mal zur Seite legen.

Sie wird dieses Buch nie wieder anfassen.

Oder es läuft so: Sie packt das Buch aus. Du sagst ein paar Worte, zu dem was du dir dabei gedacht hast. Das Gespräch wird anstrengend. **Am Ende redet ihr lange Zeit nicht mehr miteinander.

Mission gescheitert.

Warum?

Alleine schon um die Schuldgefühle und alle Anstrengungen und Ängste die mit einer Veränderung verbunden sind zu vermeiden, wird sie auch das Buch vermeiden.

Wenn du jemanden versuchst, gegen den eignen Willen zu einer Handlung zu bewegen löst du eins aus: Widerstand.

In der Psychologie wird das “Reaktanz” genannt.

Es gäbe natürlich einen Weg: Dazu müsstest mit einem Schlagstock neben dem Käfig stehen.

Willst du aber vermutlich nicht 😉

Deswegen der häufige Tipp: du kannst niemanden ändern.

Was in Teilen stimmt: gegen den eigenen Willen und ohne den Schlagstock wirds schwer.

Wie sieht die Lösung aus?

Wäre es nicht super, wenn du gehört werden würdest und der Mensch um den du dir solche Sorgen gemacht hast sich einfach ändern würde?

Wenn du beruhigt wüsstest, dass du alles getan hättest, was möglich ist?

Das ist kann möglich sein, wenn du folgende Punkte beachtest:

1. Dich schützen und auf dich achten

2. Den richtigen Moment herbeiführen oder nutzen

3. Richtig helfen

1. Dich schützen

In erster Linie solltest du dich um dich kümmern. Wenn die Gespräche deiner Beziehung mit der Person schaden und du immer nicht gehört wirst, tust du dir (und der anderen Person) keinen Gefallen.

Mein eigener Großvater wird sicher an seiner Fettleibigkeit sterben.

Er fragt mich immer, wenn wir uns sehen welche Medikamente oder Operationen er bekommen kann, damit er endlich wieder schmerzfrei laufen kann. Er ist nicht offen für Alternativen, solange es ihm noch relativ gut geht. Er hat seinen Fernseher, Leute, die sich um ihn kümmern und er will so weiterleben wie er es gewohnt ist.

Es gilt zu akzeptieren, dass die Person einen harten Schicksalsschlag braucht um sich zu ändern. Das ist ok für mich, da er mir nicht zuhören will, sondern nach denen von ihm gewünschten Antworten ausschaut. Er ist noch nicht bereit.

2. Den richtigen Moment abwarten oder herbeiführen

Jetzt wartet man bis etwas Schlimmes passiert. (abwarten)

Oder man kann versuchen die Mauern zu brechen. (herbeiführen)

Es geht darum das zum Vorschein bringen was schon da ist. Der Schmerz und das Leiden, weswegen die Person eigentlich sich ändern will.

Das löst eine Krise oder eine Schlüsselmoment aus (Beispiele im Buch). Wie ein Leser Rene nach dem Lesen meines Buches auch meinte: “

Und wie du beschrieben hast, waren es bei mir nicht etwa Wissen das fehlte oder fehlende Disziplin sondern ganz andere Faktoren die es nicht zugelassen haben, dass ich ernsthaft abgenommen habe. Bei mir hat es dann ebenfalls eines „Schlüsselmomentes“ bedurft (eine sehr nette Ärztin, die mir völlig nüchtern meinen statistisch gesehen wahrscheinlichen künftigen medizinischen Werdegang dargelegt hat -> Diabetes Typ II) um mich dazu zu bringen für mich selbst Verantwortung zu übernehmen.”

Den Rest seines Berichts findest du hier.

Bei Rene war es die nüchterne Einschätzung einer Expertin, die bei ihm so viel ausgelöst hat dass er endlich die Verantwortung für seine Gesundheit übernommen hat.

Das kannst du auch z. B. mit einem gemeinsamen Gang zum Arzt auslösen.

Die obige Leserin schrieb dazu (die Mutter ist auch trockene Alkoholikerin):

“Sie hat es nur selbst thematisiert, dass ihr Gewicht ein Problem für sie ist.

Sie ist wegen des Alkohols in 1x pro Woche in therapeutischer Behandlung. Andererseits will ich ihr das Ben & Jerrys nicht wegnehmen.

Ein weiteres Problem ist, dass meine Oma nur 63 wurde. Die beiden sind sich ähnlich und meine Mutter ist gerademal 61 und hat Angst.”

Meine Empfehlung war:

“Red mit ihr darüber und geh in die Angst. Beruhig sie nicht. Stell ihr viele Fragen.

Vielleicht “bricht” etwas – und zwar diese Schutzmauer, mit der die Realität ausgeblendet wird. Weswegen sie nicht daran arbeitet. So gehe ich auch in Beratungen vor.”

Die 3 wichtigsten Punkte dabei:

  1. zuhören (wirklich zuhören, nicht warten bis du wieder reden kannst)
  2. Sachen die offensichtlich negatives auslösen (Angst usw.) Zurückspiegeln
  3. Weiterführende Fragen wie “Warum?” Z. B. “warum macht dir das Sorgen?” sind wertvoll um tiefer zu gehen.

Die Chancen sind hoch, dass so die Mauern brechen und der Leidensdruck freigelegt wird, der dann eine Änderung ermöglicht.

3. Richtig helfen

Wenn sie bereit sind sich zu ändern, ist es wichtig den Weg zu ebnen. Nicht Druck machen etwas zu tun, sondern rausfinden was aus ihrer Perspektive “weh tut” – und das verbindest du dann mit dem Ratschlag oder der Ressource, die genau dabei helfen kann. Immer mit dem Hinweis warum das da helfen kann. So hat z. B. eine Person, die aus Ungeduld jeden Abnahmeversuch abbricht, viel davon zu lernen dass schnell Abnehmen auch gesund und ohne Jojo-Effekt möglich ist.

Letztlich “verkaufst” du den Ratschlag. Wenn du das gut machen willst, kannst du dich in die Psychologie der Überzeugung und Verkaufstaktiken einlesen. Es zählen immer die gleichen Prinzipien.

Außerdem:

  • Sei ein positives Vorbild. Alle deine Ratschläge werden viel mehr Gehör finden, wenn du selber fit, schlank und gesund bist.
  • Hilf ihr, indem du sie in den richtigen Kontext bringst: den richtigen Profi finden, die richtigen Menschen drumherum (wenn alle Leute im Umfeld auf einmal sich auch so verhalten würden, würde die Person infrage auch automatisch ihr Verhalten anpassen)
  • Einmalige Hürden überwinden helfen: Jemand in meiner Familie hatte große psychische Probleme – offensichtlich schwer depressiv, ängstlich. Er hat es ewig herausgeschoben zum Psychiater zu gehen – dann habe ich sein Handy genommen, angerufen und ihm das Handy in die Hand gedrückt.

Er ging dahin, ist heute noch in Behandlung und sucht sich jetzt, wenn es ihm schlecht geht selber Hilfe.

Das ergibt Sinn, wenn es der Gang zum Profi, ins Studio oder ähnliches ist – etwas das einmal getan werden muss, um alles Weitere leichter zu machen.

Im Buch habe ich eine Reihe von “Investitionen” aufgelistet, bei denen man helfen kann. Einmal dort Mühe reingesteckt und das richtige Verhalten wird dauerhaft leichter.

Leseprobe von meinem Buch “Automatisch Abnehmen”? Gibt es hier.