“Insulin macht dick”: Die große Abnehm-Lüge (die alle glauben)

Einer der schädlichsten Mythen beim Abnehmen geht so:

Kohlenhydrate (Zucker, Brot, Nudeln usw.) schütten viel Insulin aus.

Insulin lagert Fett am Körper ein.

Ergo den Insulinspiegel senken und schon sind wir schlank.

Also Low Carb oder ketogen essen – oder “Kohlenhydrate weglassen” = Fettverlust.

Das ist aber nicht so. Wie das wirklich ist – gleich mehr dazu.

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Warum der Insulinspiegel gar nicht so wichtig ist

Rund um Insulin gibt es 3 besonders hartnäckige Mythen:

  1. Dein Körper könne nur mit Insulin Fett einlagern. Das Enzym heißt “HSL” (hormonsensitive Lipase) und Insulin fährt das runter – womit das Fett in den Zellen “gefangen” sein muss.

    Das ganze kann er aber auch wunderbar ohne Insulin. Denn Fett aus der Nahrung fährt das runter. 1

  2. Insulin oder diese Insulinpeaks macht nicht hungrig – sie machen sogar satt. Und zwar direkt im Gehirn.2
  3. Nur Kohlenhydrate (oder Zucker) schütten Insulin aus – auch Eiweiß schüttet viel Insulin aus. Rinderfilet z.b. auch so viel wie brauner Reis. 3

Warum nehmen dann trotzdem so viele Menschen (zumindest kurzfristig) ab, sobald sie die Kohlenhydrate reduzieren? Man würde doch denken, dass das über den abgesenkten Insulinspiegel funktionieren würde.

Tatsächlich ist das ein wenig so wie nicht mehr, mit der Kreditkarte zu bezahlen, um Geld zu sparen.

Wenn du die Karte nicht mehr benutzt, sondern nur noch bar bezahlst oder überweist, dann gibst du trotzdem noch Geld aus.

Aufgrund der Regel wirds manchmal umständlich, etwas zu kaufen – und deswegen lassen wir es.

So auch beim Essen. Lassen wir die Kohlenhydrate weg, dann ist es immer noch die Frage, wie viel wir an Kalorien mit Fett und Eiweiß (oder Alkohol) aufnehmen.

Tatsächlich ist es gar nicht so selten, dass einfach mehr von anderen Lebensmitteln gegessen wird.

Egal, ob die Lebensmittel “zuckerfrei”, “kohlenhydratarm” oder “fettarm” sind – unser Gehirn trickst uns da leider oft aus. Wir denken, dass wir mehr (oder hoffentlich endlos) ohne Reue essen können.

Und dadurch essen wir im schlimmsten Fall sogar mehr Kalorien als wir verbrauchen – und nehmen durch diesen Mythos sogar zu.

  1. Evans K, Clark ML, Frayn KN. Effects of an oral and intravenous fat load on adipose tissue and forearm lipid metabolism. Am J Physiol. 1999;276(2):E241-E248. doi:10.1152/ajpendo.1999.276.2.E241)[]
  2. Pliquett RU, Führer D, Falk S, Zysset S, von Cramon DY, Stumvoll M. The effects of insulin on the central nervous system–focus on appetite regulation. Horm Metab Res. 2006;38(7):442-446. doi:10.1055/s-2006-947840[]
  3. Holt SH, Miller JC, Petocz P. An insulin index of foods: the insulin demand generated by 1000-kJ portions of common foods. Am J Clin Nutr. 1997;66(5):1264-1276. doi:10.1093/ajcn/66.5.1264)[]
Über Dr. med. Dominik Dotzauer

Über Dr. med. Dominik Dotzauer

Dr. Dotzauer ist privater Gesundheitsberater, Autor und Arzt.

Er hat sich auf evidenzbasierte & esoterikfreie Methoden spezialisiert, um seinen Klienten eine entspannte Kontrolle über ihr Essverhalten und einen eigenen Weg zum Wohlfühlgewicht zu erarbeiten.

Seinen Weg konnte er sich als "natürlich dick" aufgewachsen, nur mit viel Recherche und Neustarten erarbeiten. Mit seinen Artikeln, Büchern und dem Programm hilft er jetzt jedes Jahr tausenden von Menschen diesen Weg abkürzen.

Details zur Methode & Programm